Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter ***Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, vertreten durch ***2***, ***1***, über die Beschwerde vom 18. Februar 2025 gegen den Bescheid des Finanzamtes Österreich vom 4. Februar 2025 betreffend Festsetzung Kapitalertragsteuer für den Zeitraum 12/2023 zu Recht erkannt:
I. Der Beschwerde wird gemäß § 279 BAO Folge gegeben.Der angefochtene Bescheid wird aufgehoben.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Mit Bescheid vom 4.2.2025 wurde für den Zeitraum 12/2023 gegen die Beschwerdeführerin Kapitalertragsteuer in der Höhe von 11.880,00 Euro (27,5% von 43.200,00 Euro) festgesetzt.
Mit Eingabe vom 18.2.2025 bekämpfte die Beschwerdeführerin den KESt-Festsetzungsbescheid vom 4.2.2025.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 16.4.2025 wies die belangte Behörde die Beschwerde vom 18.2.2025 als unbegründet ab.
Mit Eingabe vom 14.5.2025 beantragte die Beschwerdeführerin die Vorlage ihrer Beschwerde zur Entscheidung durch das Bundesfinanzgericht.
Mit Schreiben vom 8.1.2026 legte die belangte Behörde die Beschwerde vom 18.2.2025 gegen den Bescheid über die Festsetzung der Kapitalertragsteuer vom 4.2.2025 dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor.
Strittig im Beschwerdeverfahren ist, ob der Beschwerdeführerin im Dezember 2023 verdeckte Ausschüttungen als Gesellschafterin der ***3*** - ***4*** ***5*** GmbH zugeflossen sind.
Die Beschwerdeführerin gründete mit Gesellschaftsvertrag vom 6.2.2023 gemeinsam mit ***7*** ***5*** die ***3*** - ***4*** ***5*** GmbH, FN ***6***, übernahm 50% der Gesellschaftsanteile und war von 28.2.2023 bis 11.1.2024 einzelvertretungsbefugte Geschäftsführerin dieser Gesellschaft.
Die Beschwerdeführerin war im Dezember 2023 faktisch nicht mehr in der ***3*** - ***4*** ***5*** GmbH tätig und ihr sind in diesem Zeitraum auch keine Einnahmen aus verdeckten Ausschüttungen der Gesellschaft zugeflossen.
Im Zuge der Vorlage hat die belangte Behörde unter anderem folgende Unterlagen übermittelt:
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"Niederschrift ***5*** ***7*** unterfertigt \t\t\t\t02.04.2024 "
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"Niederschrift SB ***3*** ***4*** ***5*** GmbH \t\t\t\t13.05.2024 "
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"Bescheid KESt1 *** vom 22.05.2024 \t\t\t22.05.2024 "
]
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"Firmenbuchauszug vom 12.03.2025\t\t\t\t\t12.03.2025 "
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"Konkursverfahren ***3*** ***5*** GmbH Eröffnung TT.06.2024 \t\tTT.01.2026 "
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"Schuldenregulierungsverfahren Eröffnung am TT.04.2025 \t\tTT.01.2026"
]
},
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"Mail-Verkehr vom 28.12.2023 (eingelangt beim Firmenbuch am 28.12.2024)"
]
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"zwischen dem anwaltlichen Vertreter der Beschwerdeführerin und ***7*** ***5*** "
]
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}
}Im Rahmen des vom Bundesfinanzgericht durchgeführten Ermittlungsverfahrens wurden folgende Beweismittel beschafft:
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"Firmenbuchauszug ***3***",
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" - "
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"***4*** ***5***",
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" GmbH"
]
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", FN ***6***"
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"Abtretungsvertrag GmbH-Anteil 24.4.2024"
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"Antrag auf Löschung der Beschwerdeführerin als Geschäftsführerin vom 24.1.2024",
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"(eingelangt beim Firmenbuch am 24.1.2024)"
]
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}
}Der Umstand, dass der Beschwerdeführerin im Dezember 2023 keine Einnahmen aus verdeckten Ausschüttungen (betreffend Umsatzzuschätzungen) der ***3*** - ***4*** ***5*** GmbH, FN ***6*** zugeflossen sind, ergibt sich aus dem bereits mit der Beschwerde vorgelegten Mail-Verkehr vom 28.12.2023 (eingelangt beim Firmenbuch am 28.12.2024) zwischen dem anwaltlichen Vertreter der Beschwerdeführerin und ***7*** ***5***, dem Geschäftsführer und Hälfteeigentümer der ***3*** - ***4*** ***5*** GmbH. Aus diesem Mailverkehr geht hervor, dass die Beschwerdeführerin bereits seit Ende November 2023 in der Gesellschaft nicht mehr tätig war. Diese Aussage der Beschwerdeführerin wird von Herrn ***7*** ***5*** auch ausdrücklich bestätigt. Diese übereinstimmenden Aussagen und der Umstand, dass auch die Chronologie des Ausscheidens der Beschwerdeführerin deren Richtigkeit nahelegt, rechtfertigen es aus Sicht des Bundesfinanzgerichts von diesem Sachverhalt auszugehen. Der erwähnte Mailverkehr wurde im Übrigen auch der belangten Behörde mit der Beschwerde übermittelt und die angesprochenen Dokumente wurden auch beim Firmenbuch eingereicht.
Gemäß § 93 Abs 1 EStG 1988 wird bei inländischen Einkünften aus Kapitalvermögen die Einkommensteuer durch Steuerabzug erhoben (Kapitalertragsteuer). Dies gilt nicht für die - im Beschwerdefall aber nicht vorliegenden - in § 27a Abs 2 EStG 1988 genannten Einkünfte.
Gemäß § 93 Abs 2 Z 1 EStG 1988 liegen inländische Einkünfte aus Kapitalvermögen unter anderem bei Einkünften aus der Überlassung von Kapital (§ 27 Abs 2 leg. cit.), vor, wenn sich die auszahlende Stelle (§ 95 Abs 2 Z 1 lit b leg. cit.) im Inland befindet.
Gemäß § 27 Abs 1 EStG 1988 zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen unter anderem Einkünfte aus der Überlassung von Kapital (Abs 2 leg. cit.).
Gemäß § 27 Abs 2 Z 1 lit a EStG 1988 gehören Gewinnanteile (Dividenden) und sonstige Bezüge aus Aktien oder Anteilen an Gesellschaften mit beschränkter Haftung zu den Einkünften aus der Überlassung von Kapital.
Schuldner der Kapitalertragsteuer ist nach § 95 Abs 1 EStG 1988 der Empfänger der Kapitalerträge. Der Abzugsverpflichtete (Abs 2 leg. cit.) haftet dem Bund für die Einbehaltung und Abfuhr der Kapitalertragsteuer.
Gemäß § 95 Abs 3 EStG 1988 hat der Abzugsverpflichtete die Kapitalertragsteuer im Zeitpunkt des Zufließens der Kapitalerträge abzuziehen. Die Kapitalerträge gelten für Zwecke der Einbehaltung der Kapitalertragsteuer als zugeflossen:
1. Bei Kapitalerträgen, deren Ausschüttung von einer Körperschaft oder deren Zuwendung durch eine nicht unter § 5 Z 6 KStG 1988 fallende Privatstiftung beschlossen wird, an jenem Tag, der im Beschluss als Tag der Auszahlung bestimmt ist. Wird im Beschluss kein Tag der Auszahlung bestimmt, gilt der Tag nach der Beschlussfassung als Zeitpunkt des Zufließens.
2. Bei anderen Kapitalerträgen aus der Überlassung von Kapital
- nach Maßgabe des § 19 EStG 1988, wenn es sich um Zinserträge aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten oder nicht unter § 95 Abs 3 Z 1 EStG 1988 fallende sonstige Bezüge im Sinne des § 27 Abs. 2 Z 1 lit. a leg. cit. handelt,
- im Zeitpunkt der Fälligkeit der Kapitalerträge bei allen sonstigen Kapitalerträgen aus der Überlassung von Kapital.
Gemäß § 95 Abs 4 EStG 1988 ist die Kapitalertragsteuer dem Empfänger der Kapitalerträge ausnahmsweise vorzuschreiben, wenn
1. der Abzugsverpflichtete die Kapitalerträge nicht vorschriftsmäßig gekürzt hat und die Haftung nach Abs. 1 leg. cit. nicht oder nur erschwert durchsetzbar wäre oder
2. der Empfänger weiß, dass der Abzugsverpflichtete die einbehaltene Kapitalertragsteuer nicht vorschriftsmäßig abgeführt hat und dies dem Finanzamt nicht unverzüglich mitteilt.
Die Regelungen des § 95 Abs 4 (nunmehr idgF in Abs 3) EStG 1988 über den Zeitpunkt des Zufließens der Kapitalerträge bestimmen nicht nur den Zeitpunkt des Abzuges bzw. der Einbehaltung der Kapitalertragsteuer, vielmehr knüpft sich daran gemäß § 4 Abs. 2 lit. a Z 3 BAO auch die Entstehung des Abgabenanspruches selbst (VwGH 23.12.2015, 2012/13/0007).
Da es im Dezember 2023 zu keinem Zufluss aus verdeckten Ausschüttungen der ***3*** - ***4*** ***5*** GmbH gekommen ist und damit kein Steueranspruch - für diesen Monat - entstanden ist, war der beschwerdegegenständliche Bescheid aufzuheben.
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Weil die Entscheidung im gegenständlichen Fall auf Grundlage der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes getroffen wurde und überdies die Entscheidung anhand einer Beweiswürdigung im Einzelfall zu treffen war, fehlt es an einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung.
Wien, am 15. Jänner 2026
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