Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter***Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, über die Beschwerde vom ***2*** gegen den Bescheid des ***1*** vom ***3*** betreffend ***4***, Steuernummer ***BF1StNr1***, zu Recht erkannt:
I. Die Beschwerde wird gemäß § 279 BAO als unbegründet abgewiesen.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Die Beschwerdeführerin hat in der Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung ***5*** den Alleinerzieherabsetzbetrag beantragt.
Das Finanzamt ersuchte die Beschwerdeführerin unter Bezugnahme auf den Alleinerzieherabsetzbetrag um ergänzende Mitteilung, seit wann sie mit dem Kind allein, ohne Partner gemeldet sei. Die Beschwerdeführerin antwortete mit Schreiben vom ***6***, sie lebe seit der Scheidung von ihrem ersten Ehegatten am ***7*** an der angeführten Adresse. Ihr jetziger Ehegatte, mit dem sie seit ***8*** verheiratet sei, lebe und arbeite in ***9*** und sie hätten auch getrennte Wohnsitze. Der Wohnsitz des Ehegatten befinde sich in ***10*** in ***9***. Aus diesem Grund hätte sie vor der damaligen Eheschließung vom Finanzamt die Auskunft erhalten, dass sich dahingehend steuerlich für sie nichts ändere, da sie in keiner Gemeinschaft lebten.
Das Finanzamt berücksichtigte im Einkommensteuerbescheid vom ***11*** den Alleinerzieherabsetzbetrag. Mit Bescheiden vom ***3*** hat es den bisherigen Einkommensteuerbescheid gemäß § 299 BAO aufgehoben und den neuen Einkommensteuerbescheid ohne Berücksichtigung des Alleinerzieherabsetzbetrages erlassen. Zur Begründung schrieb es, sie hätten den Alleinerzieherabsetzbetrag nicht berücksichtigt, weil die Beschwerdeführerin im Veranlagungsjahr mehr als 6 Monate in einer Gemeinschaft mit einem Ehepartner gelebt hätte.
Die Beschwerdeführerin erhob gegen den Einkommensteuerbescheid fristgerecht Beschwerde. Zur Begründung wiederholte sie das in dem Schreiben vom ***6*** geschriebene.
Das Finanzamt hat die Beschwerde mit Beschwerdevorentscheidung als unbegründet abgewiesen. Begründend führte es aus, als Alleinerzieher gelte zunächst jede unverheiratete Person. Eine aufrechte Ehe spreche grundsätzlich gegen eine getrennte Lebensführung. Verheirateten Personen stehe der Alleinerzieherabsetzbetrag nur dann zu, wenn sie von ihrem Ehegatten dauernd, das bedeute nicht nur vorübergehend, getrennt lebten. Die Beschwerdeführerin habe eine dauernde Trennung bzw. das Fehlen des Willens zu einer die eheliche Gemeinschaft kennzeichnenden gemeinsamen Lebensführung im Sinne einer endgültigen und unabänderbaren, auf Lebenszeit gegebenen Trennung, wie sie für die Zuerkennung des Alleinerzieherabsetzbetrages vorliegen müsste, seitens der Beschwerdeführerin nicht behauptet. Die Ehegatten hätten sich durch die Eheschließung im Jahr ***12*** zur umfassenden wechselseitigen Beistandspflicht bereit erklärt. Für das Tatbestandsmerkmal, nicht dauernd getrennt zu leben, sei nicht die Anzahl der Wohnsitze eines der beiden Ehegatten oder dessen polizeiliche Meldung maßgebend, sondern ausschließlich die Sachverhaltsfrage, ob die Antragstellerin tatsächlich in Gemeinschaft mit ihrem Ehegatten lebe oder nicht.
Die Beschwerdeführerin erhob fristgerecht den Antrag auf eine Entscheidung über die Beschwerde durch das Bundesfinanzgericht. Zur Begründung brachte sie ergänzend vor, ihr Mann und sie lebten nach wie vor nicht miteinander und dies werde bis auf Weiteres auch so bleiben. Dies sei der Schulpflicht ihres minderjährigen Sohnes und des bestehenden Besuchsrechtes ihres ehemaligen Ehegatten sowie ihrer jeweiligen Berufstätigkeiten geschuldet.
Am ***13*** legte das Finanzamt die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und beantragte die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
Mit Beschluss vom ***14*** forderte das Bundesfinanzgericht der Beschwerdeführerin auf, die mit ihrem Ehegatten gemeinschaftlichen und die davon getrennten Lebensverhältnisse so umfassend mitzuteilen, dass das Bundesfinanzgericht in die Lage versetzt werde zu beurteilen, ob sie tatsächlich nicht in einer Gemeinschaft mit einem (Ehe)Partner im Sinne der angeführten Gesetzesbestimmung zum Alleinerzieherabsetzbetrag lebe.
Die Beschwerdeführerin antwortete mit Schreiben vom ***15***, dass ihr Sohn und sie seit der Scheidung in der Wohnung in ***16*** leben. Sie arbeite in ***16*** seit ***17*** in ungekündigter Stellung. Ihr Sohn sei in die Volksschule und Mittelschule ***16*** gegangen und nun in die ***18***. Ihr jetziger Ehegatte wohne in alleiniger Wohnung in ***19***. Er arbeite als ***30*** in Vollzeit in dem angeführten ***31*** in ***20*** in ***9***. Aufgrund dieser, bis auf Weiteres bestehenden Voraussetzungen würden sie die gemeinsame Freizeit von Freitag abends bis Sonntag abends in ***16*** bzw. ***21*** verbringen. Aufgrund der Personalknappheit in der ***32*** komme es auch vor, dass sie sich teilweise nur alle ***22*** sehen. Das heiße bei ***23*** Wochen im Jahr seien das höchstens ***23*** Wochenenden bzw. Ersatztage unter der Woche - sprich ***24*** Tage, wobei sie hier auch schon Wochenenden inkludiere, die sie in ***9*** verbrächten. An Feiertagen, Brückentagen bzw. verlängerten Wochenenden sei meistens Hochbetrieb und keine Möglichkeit dafür. Betriebsferien des ***33*** fänden jährlich ab ***25*** statt und dauerten bis ***26***, wobei hier ihr Ehegatte zirka ***22***, höchstens ***27*** Tage, bei ihnen verbringe.
Die Beschwerdeführerin lebt seit ***8*** in aufrechter Ehe.
Sie lebt seit der Scheidung von ihrem vorherigen Ehegatten am ***7*** mit ihrem Sohn an einem Wohnsitz in ***16***, wo sie auch seit ***17*** in ungekündigter Stellung bei einer ***34*** arbeitet.
Der Ehegatte der Beschwerdeführerin verfügt über eine Wohnung in ***28*** in ***9***. Er arbeitet als ***30*** in Vollzeit in einem ***31*** in ***20*** in ***9***.
Die Beschwerdeführerin und ihr Ehegatte verbringen die Freizeit gemeinsam am Wohnsitz der Beschwerdeführerin oder dem ihres Ehegatten, soweit es trotz der jeweiligen beruflichen Pflichten, des Schulbesuches des Sohnes der Beschwerdeführerin und des Besuchsrechts des ehemaligen Ehegatten der Beschwerdeführerin möglich ist. Die Aufrechterhaltung der beiden Wohnsitze ist durch die zuletzt genannten Umstände veranlasst.
Die dargelegten Verhältnisse waren das ganze Jahr ***5*** gegeben und dauerten im Jahr ***29*** noch an.
Die festgestellten Umstände ergeben sich aus dem glaubwürdigen Vorbringen der Beschwerdeführerin. Ihre eigene Wohnsitzmeldung und die ihres Ehegatten hat die Beschwerdeführerin durch die Vorlage von Meldebestätigungen belegt. Sie hat für das Verwaltungsgericht gut nachvollziehbar die familiären und beruflichen Verhältnisse dargelegt, die für sie und ihren Ehegatten ausschlaggebend zur mehrjährigen Beibehaltung der ursprünglichen Wohnsitze über den Zeitpunkt der Eheschließung hinaus waren. Für eine über die zweifache Haushaltsführung hinausgehende getrennte Lebensführung haben sich aus dem gesamten Vorbringen keine Anhaltspunkte gegeben. Die von der Beschwerdeführerin dargelegte Weise der gemeinsamen Nutzung der beiden Wohnsitze ergibt vielmehr ein Bild, das abgesehen von dem Führen von zwei getrennten Haushalten für die gemeinsame Lebensführung in einer aufrechten Ehe typisch ist.
Gemäß § 33 Abs. 4 Z 2 EStG 1988 steht Alleinerziehenden ein Alleinerzieherabsetzbetrag zu. […] Alleinerziehende sind Steuerpflichtige, die mit mindestens einem Kind (§ 106 Abs. 1) mehr als sechs Monate im Kalenderjahr nicht in einer Gemeinschaft mit einem (Ehe)Partner leben.
Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes entspricht der Voraussetzung, "nicht in einer Gemeinschaft" zu leben, - als Gegensatz - für den Alleinverdienerabsetzbetrag bei aufrechter Ehe die Voraussetzung, vom Ehegatten "nicht dauernd getrennt" zu leben. Eine aufrechte Ehe spricht grundsätzlich gegen eine dauernd getrennte Lebensführung. Diese Vermutung ist allerdings widerlegbar (vgl. VwGH 22.5.2014, 2011/15/0002).
Den getroffenen Feststellungen zufolge lebte die Beschwerdeführerin das ganze Kalenderjahr ***5*** in aufrechter Ehe mit ihrem Ehegatten. Das Führen von zwei getrennten Haushalten durch Ehepartner kann ein Indiz für eine getrennte Lebensführung darstellen. Nutzen die Ehepartner jedoch die beiden Wohnsitze in der vom Verwaltungsgericht festgestellten Weise gemeinsam, so wird dadurch nicht widerlegt, sondern vielmehr bestätigt, dass die Ehepartner in einer Gemeinschaft leben. Die in der zitierten Gesetzesstelle normierte Voraussetzung, mehr als sechs Monate im Kalenderjahr nicht in einer Gemeinschaft mit einem (Ehe)Partner zu leben, war daher in dem von der Beschwerde betroffenen Kalenderjahr nicht gegeben, weshalb der Alleinerzieherabsetzbetrag nicht zusteht.
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist nicht zulässig, da es sich im Wesentlichen um die Beantwortung von Tatfragen im Wege der Beweiswürdigung handelt und die für die Entscheidung zu beantwortende Rechtsfrage durch die zitierte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ausreichend geklärt ist.
Innsbruck, am 23. März 2026
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