Codara Summary
Sachverhalt, Spruch und rechtliche Beurteilung – kompakt zusammengefasst.
Der Oberste Gerichtshof hat am 17. Februar 2011 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Zehetner als Vorsitzenden sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr. Schwab, Mag. Lendl, Mag. Michel und Dr. Oshidari als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Bergmann als Schriftführerin, in der Strafsache gegen F***** F***** F***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens des schweren Betrugs nach §§ 15, 146, 147 Abs 3 StGB über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten F***** gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz als Schöffengericht vom 23. November 2010, GZ 4 Hv 117/10f 58, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den
Beschluss
gefasst:
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.
Zur Entscheidung über die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Graz zugeleitet.
Dem Angeklagten F***** fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Gründe:
Mit dem angefochtenen Urteil das auch unangefochten rechtskräftige Schuldsprüche (des Drittangeklagten B***** N***** S***** S***** und des Viertangeklagten M***** B***** M*****) und Freisprüche (des Zweitangeklagten B***** A***** P***** und des Viertangeklagten) enthält wurde F***** F***** F***** des Verbrechens des schweren Betrugs nach §§ 12 dritter Fall, 15, 146, 147 Abs 3 StGB (2) und des Vergehens des Gebrauchs fremder Ausweise nach § 231 Abs 1 StGB (4) schuldig erkannt.
Danach haben in Graz
1. B***** N***** S***** S***** und M***** B***** M***** am 21. September 2010 und am 4. Oktober 2010 im bewussten und gewollten Zusammenwirken als unmittelbare Täter mit dem Vorsatz, sich durch das Verhalten des Getäuschten unrechtmäßig zu bereichern, Günter K***** durch die listige Vorgabe, sie könnten unter Verwendung diverser Chemikalien geschwärzte Geldscheine „reinwaschen“ und wieder brauchbar machen, mithin durch Täuschung über Tatsachen, zur Herausgabe eines Bargeldbetrags in Höhe von 250.000 Euro, somit zu Handlungen zu verleiten versucht, die Günter K***** „oder einen anderen“ in einem 50.000 Euro übersteigenden Betrag an seinem Vermögen schädigen sollten,
2. F***** F***** F***** zu den unter 1. geschilderten Tathandlungen des B***** N***** S***** S***** und M***** B***** M***** dadurch beigetragen, „dass er unter seiner Alias Identität L***** J***** für die Tätergruppe am 4. Oktober 2010 zwei Zimmer im Hotel E***** anmietete, die Idee dazu hatte und im Hotelzimmer Tatwerkzeuge, nämlich Chemikalien, eine UV Lampe und Einweghandschuhe, bereithielt sowie sich für den Fall der Notwendigkeit seiner Unterstützung zur Verfügung hielt“.
Nur gegen den Schuldspruch 2 richtet sich die Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten F***** aus § 281 Abs 1 Z 9 lit a StPO.
Unter Bezug auf eine Urteilspassage (US 9: „Günter K***** gab an, 50.000 Euro in bar bei sich zu haben. Der Dritt und Viertangeklagte gaben sich damit aber nicht zufrieden und wiederholten, erst ab 250.000 Euro in das Geschäft einzusteigen, woraufhin K***** sagte, er werde versuchen, diesen Betrag aufzutreiben. Zu diesem Zweck wurde ein weiteres Treffen am 8. Oktober 2010 vereinbart.“) behauptet der Beschwerdeführer, es liege ihm bloß eine straflose Vorbereitungshandlung zur Last. Er übergeht dabei jedoch die Feststellungen zur umfangreichen Täuschung des präsumtiven Opfers über die vorgegebene Möglichkeit des „Reinwaschens“ angeblich geschwärzter Geldscheine (US 7), die die Angeklagten mit dem Vorsatz inszenierten, Günter K***** dadurch zur Herausgabe von 250.000 Euro zu verleiten, wodurch sie selbst unrechtmäßig bereichert und jener am Vermögen geschädigt werden sollte (US 8, 9 ff). Einer Behandlung nach §§ 285c Abs 2, 286 ff StPO ist dieses Vorbringen daher nicht zugänglich.
Es bleibt lediglich anzumerken (§ 290 Abs 1 zweiter Satz StPO), dass ein Betrug ua dann versucht ist, sobald der Täter ein Täuschungsverhalten auszuführen beginnt, das einen anderen in einen entsprechenden Irrtum führen und dadurch zu einer schädigenden Vermögensverfügung veranlassen soll ( Kirchbacher in WK² § 146 Rz 123; Kienapfel , StudB BT II § 146 Rz 241; zu einer mehraktigen Täuschung daher mit dem vorliegenden Fall [wo vor der selbstschädigenden Verfügung des Getäuschten keine weiteren Irreführungshandlungen geplant und nötig waren] nicht vergleichbar das vom Rechtsmittelwerber zitierte Erkenntnis 12 Os 71/92, EvBl 1993/39, 172).
Die offenbar auf das Vorliegen eines straflosen, weil absolut untauglichen Versuchs abzielende, einen Feststellungsmangel geltend machende Behauptung, eine Vollendung des Betrugs sei „von vornherein aussichtslos gewesen“, weil dem Getäuschten nach dessen Angaben die Beschaffung der hohen Summe von 250.000 Euro nicht möglich gewesen wäre, lassen auf der Basis der Feststellungen US 9 f die methodisch fundierte Ableitung vermissen, aus welchem Grund es bei einer generalisierenden Betrachtung des Urteilssachverhalts denkunmöglich gewesen wäre, dass der beschriebene Versuch zur Vollendung hätte führen können (vgl Fabrizy , StGB 10 § 15 Rz 20; Kirchbacher in WK² § 146 Rz 129; Kienapfel
Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 StPO), woraus die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung über die unter einem erhobene Berufung folgt (§ 285i StPO).
Die Kostenentscheidung beruht auf § 390a Abs 1 StPO.
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