Der Oberste Gerichtshof hat am 15.Jänner 1991 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Kral als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Lachner, Hon.Prof. Dr. Brustbauer, Dr. Massauer und Dr. Hager als weitere Richter, in Gegenwart der Rechtspraktikantin Mag. Franz als Schriftführerin, in der Strafsache gegen G***** R***** wegen des Verbrechens der Hehlerei nach § 164 Abs. 1 Z 1 und 2, Abs. 3 StGB, AZ 2 b E Vr 8.690/89 des Landesgerichtes für Strafsachen Wien, über den Antrag des Genannten auf Feststellung der Anspruchsvoraussetzungen nach § 2 Abs. 1 lit a StEG nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluß
gefaßt:
Die im § 2 Abs. 1 lit a StEG bezeichneten Anspruchsvoraussetzungen liegen in Ansehung der von G***** R***** in der Zeit vom 30. März 1989, 14,40 Uhr, bis 16.Juni 1989, 18,10 Uhr, erlittenen strafgerichtlichen Anhaltung nicht vor.
Gründe:
Mit rechtskräftigem, in gekürzter Form ausgefertigtem (§ 488 Z 7 StPO) Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien vom 3. April 1990, GZ 2 b E Vr 8.690/89-74, wurde G***** R***** von der wider ihn wegen Verbrechens der Hehlerei nach § 164 Abs. 1 Z 1 und 2, Abs. 3 StGB erhobenen Anklage, er habe in Wien und Innsbruck den Täter eines Verbrechens, nämlich des schweren Betruges nach §§ 146, 147 Abs. 3 StGB, nach der Tat dabei unterstützt, eine Sache, die dieser durch sie erlangt hat, zu verheimlichen und zu verhandeln sowie die Sache, die jener durch das oben bezeichnete Verbrechen erlangt hat, teilweise an sich gebracht, wobei der Wert derselben 500.000 S überstieg, und die mit Strafe bedrohte Handlung, durch die die Sache erlangt worden ist, aus einem anderen Grund als wegen gewerbsmäßiger Begehung mit einer Freiheitsstrafe bedroht ist, die fünf Jahre übersteigt und ihm die Umstände bekannt waren, die diese Strafdrohung begründen, indem er Überweisungen von Konten der Banque Nationale de Paris in Luxemburg lautend auf G***** L***** und E***** B*****, die mittels gefälschter Schecks des Schatzamtes der Vereinigten Staaten von Amerika eröffnet worden waren, auf sein Konto bei der Bank für Arbeit und Wirtschaft AG, Filiale Innsbruck, Nr 10051-059-382, annahm und in weiterer Folge über diese Beträge disponierte, und zwar
1. im Juli 1988 über einen Betrag von 40.000 US-Dollar und 2. im August 1988 über einen Betrag von 600.000 US-Dollar, gemäß § 259 Z 3 StPO freigesprochen.
G***** R***** war in diesem Verfahren vom 30.März 1989, 14,40 Uhr, bis zum 16.Juni 1989, 18,10 Uhr, in Verwahrungs- und Untersuchungshaft angehalten worden.
Sein auf § 2 Abs. 1 lit b StEG gestützter Antrag auf Entschädigung für die dadurch entstandenen vermögensrechtlichen Nachteile wurde mit Beschluß des Landesgerichtes für Strafsachen Wien vom 8.Oktober 1990 (ON 91) abgewiesen. Seiner dagegen erhobenen Beschwerde gab das Oberlandesgericht Wien mit Beschluß vom 30.November 1990, AZ 24 Bs 235/90, nicht Folge. In der Beschwerdeschrift (ON 94) stützte G***** R***** seinen Antrag erstmals auch auf § 2 Abs. 1 lit a StEG und behauptet darin, seine Verfolgung wegen Hehlerei sei schon zur Zeit der Erlassung des Haftbefehles gegen ihn (am 23.März 1989) ausgeschlossen gewesen, weil das Strafverfahren gegen die angeblichen Vortäter G***** L***** und E***** B***** bereits mit Beschluß vom 1. (richtg: 6.) März 1989 gemäß § 90 StPO eingestellt worden ist (ON 7/I S 1 und 3), somit seitens der Staatsanwaltschaft nicht der Nachweis erbracht werden konnte, daß die dem Strafantrag zugrunde liegenden Scheckgutschriften betrügerisch erschlichen worden wären. Es hätte daher an einer hehlereibegründenden Vortat und damit auch an einem für seine strafgerichtliche Anhaltung notwendigen dringenden Tatverdacht in Richtung des Verbrechens der Hehlerei gefehlt.
Über dieses Antragsvorbringen hatte der Oberste Gerichtshof zu entscheiden, weil vorliegendenfalls das Oberlandesgericht Wien die Untersuchungshaft des G***** R***** verlängert hat, indem es mit Beschluß vom 10.Mai 1989, AZ 22 Bs 189/89 (= ON 25), seiner Haftbeschwerde nicht Folge gab (§ 6 Abs. 1 StEG; ÖJZ-LSK 1987/26 zu § 2 Abs. 1 lit a StEG).
Der Antrag ist indes (auch insoweit) unbegründet.
Der Anspruchswerber übersieht nämlich, daß der Staatsanwalt im vorliegenden Fall seine Erklärung, keinen Grund zu einer Verfolgung des G***** L***** und des E***** B***** wegen des Verbrechens des Betruges nach §§ 146, 147 Abs. 3, 148 StGB zu finden, ausdrücklich damit begründet hat, daß es in Ansehung dieser Tat an der inländischen Gerichtsbarkeit fehle, der öffentliche Ankläger also keineswegs die Auffassung vertreten hat, ein Scheckbetrug sei den Genannten nicht nachzuweisen. Aus der Einstellungserklärung, auf die sich der Anspruchswerber allein beruft, kann daher die Antragsbehauptung, daß von allem Anfang an kein dringender Tatverdacht bestanden hätte, nicht abgeleitet werden.
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